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Wie Männerwünsche wahr werden

Die Geschichtenerzählerin Cordula Carla Gerndt in der Weinschenkvilla

Regensburg, Mittelbayrische Zeitung, 31.01.2006
von Randolf Jeschek

Der Markt für Hörbücher boomt. Lesungen sind gut besucht und beliebter denn je. Andere lesen lassen, um sich selbst ganz dem Klang des gesprochenen Wortes hinzugeben, macht viel Spaß. Vielleicht einen Reminiszenz an die Kindheit, an die Zeit, in der man noch nicht selber lesen konnte, vielleicht ein wenig Tausend-und-eine-Nacht-Feeling, vielleicht das Mündliche als die ursprüngliche Form des Erzählens.

Wie auch immer, in der Weinschenkvilla, in der guten Stube des Bezirksheimatpflegers, dort, wo die gesprochene Literatur schon seit längerem zuhause ist, war die Münchner Geschichtenerzählerin und studierte Volkskundlerin Cordula Carla Gerndt zu Gast.

Und "Geschichtenerzählerin" heißt: keine Lesung, keine schauspielernde Wiedergabe eines auswenig gelernten Textes, sondern frei, aus dem Stegreif erzählte Geschichten und Märchen, Selbsterfundenes auch. Und das ist besonder schön an einem kalten Winterabend, wenn man in einem gastlichen Haus sich trifft, da fehlte nur noch ein offener Kamin.

Cordula Carla Gerndt erzählte im ersten Teil Geschichten vom Glück und vom Pech, das links und rechts am Wegesrand liegt, gefunden und erkannt werden will. Da waren alle Versatzstücke aufgeboten, die zum Genre und zum Thema dazugehören: Glückskinder, denen alles gelingt, auch wenn übelwollende Widersacher das verhindern wollen; Pechvögel, die strampeln können, wie sie wollen, zum Schluss geht doch alles schief; Könige und Königstöchter im heiratsfähigen Alter, Räuber nicht zu knapp, der Teufel nebst Großmutter, reichlich Feen, arme und reiche Bauern, das ganze Personal eben. Dazu die richtigen Schauplätze, Residenzen, Parks, düstere Wälder, freundliche Flussauen, die Hölle und was es sonst noch an interessanten Treffs gibt. Da werden Kinder ausgesetzt, Schätze gehoben, Bösewichtern eins ausgewischt, Wunschringe geklaut. Wichtig ist natürlich die Zahl drei: drei Schwestern, drei Wünsche, drei Fragen, die gelöst sein wollen. Da wird gezaubert und intrigiert, gehofft und gelitten, und nach vielem Hin und Her geht's doch meistens gut aus, das arme Findelkind wird Prinzgemahl.

Aber der Inhalt der Geschichten macht den Zauber letztlich nicht aus, es ist die Kunst des Erzählens, die Unmittelbarkeit. Cordula Carla Gerndt ist eine begnadete Fabuliererin, die ihre Zuhörer mühelos in ihrem Bann hält, sie nicht loslässt, sie in suggestiver Weise mitnimmt längs verschlungener Erzählpfade. Zwischendurch sorgte der Musiker Bruno Stein auf Harfe, Flöte und Streichpsalter mit zauberhaften folkloristischen Klängen, zartgewebten wie auch tänzerischen, für Verdichtung der Atmosphäre.

Nach der Pause ging's ums Wünschen, um die Kunst, sich das richtige zu wünschen, um die Frage, ob es besser ist, Wünsche gehen in Erfüllung oder lieber nicht. Natürlich war's auch hier kein theoretischer Diskurs, sondern es waren spannende und nachdenkliche Geschichten. Zum Schluss noch ein Stück Lebensberatung zum Thema: Wie formuliere ich meine Wünsche richtig, damit ja nichts schief geht. Denn das ist gar nicht so einfach, da kann man sich ganz blöd stellen, wie die Geschichte vom älteren Ehepaar, beide 60, zeigte, das im Park spazieren geht:

Er sieht ein ätherisches Wesen des Weges kommen, denkt sich: eine Fee, was auch tatsächlich stimmt. Und wer eine Fee erkennt, hat einen Wunsch frei, alte Tradition. Er möchte eine Frau haben, sagt er, die 30 Jahre jünger ist. Kein Problem für die Fee, sie schwingt ihren Zauberstab - und der Mann ist 90.



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